Das Wachautagebuch: Kulinarisches Ostern in der Wachau

07. April 2020

In der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag endet die Fastenzeit und man darf wieder schlemmen.

Osterpinze

Auch wenn heute nur die wenigsten von uns wirklich 40 Tage lang fasten – die kulinarischen Bräuche für unseren Ostertisch haben sich bis heute gehalten. Wo welche Speise ihren Ursprung hatte, lässt sich dabei oft gar nicht mehr sagen. Aber eines ist sicher – Brot und Gebäck spielen dabei immer eine wichtige Rolle.

Der Ostertisch bei uns in der Wachau ist meist ganz klassisch gedeckt mit Osterschinken, Ostereiern und saftigem Roggenbrot. Dazu gibt es oft noch ein gebackenes Osterlamm. Und besonders freuen wir uns auf die berühmte Osterpinze, ein süßes rundes Germgebäck mit einer kreuzförmig eingerissenen Kruste, dass wir wie Schinken und das Osterlamm am Karsamstag bei der Fleischweihe segnen lassen. Ursprünglich stammt die Pinze zwar aus Triest und ist über Kärnten nach Österreich eingewandert, doch ist sie schon so stark in der Wachau verankert, dass ein Ostern ohne Pinzen nicht vorstellbar ist.

Gerade jetzt, in Zeiten der Unsicherheit, der Einsamkeit und auch der ungewohnten Stille, ist es für mich besonders wichtig an den überlieferten Bräuchen festzuhalten. Ostern wird heuer nicht nur bei uns in der Wachau ein anderes sein als bisher, doch können wir damit auch wieder näher zusammenrücken. Osterpinzen eignen sich gut als Gruß für liebe Menschen, die man länger nicht besuchen konnte und schmecken einfach immer und fast überall dazu!

Das Ostergebäck besteht – ähnlich wie Milchbrot – aus Butter, Mehl, Eiern, Zucker, Salz, Germ und Milch. Dazu kommen noch etwas Zitronenschale und wer mag, Rosinen. Trotzdem ist Pinzenbacken hohe Backkunst. Damit die Pinzen schön saftig und flaumig werden, kommt es auf das richtige Verhältnis von Ei und Butter sowie die lange Teigführung an. In der Bäckerei Schmidl lassen wir die Pinzen mehrmals aufgehen, bis der Teig die richtige Konsistenz bekommt. Erst dann formen wir die runden Laibe, bestreichen sie großzügig mit Eigelb und schneiden die Oberfläche mit einer Schere ein.

Ich verrate Ihnen hier eines meiner Lieblingsrezepte für eine Osterpinze

500 g Mehl
1 Pkg. Germ
1 Prise Salz
100 g Zucker
1 Ei
3 Eidotter
1 Vanillezucker
125 ml Milch
125 ml Weißwein
125 g Butter (zerlassen)
abgeriebene Zitronenschale
eventuell Rosinen

Zuerst ein Dampfl aus Germ, 1 EL Mehl, 4 EL Milch sowie 1 TL Zucker anrühren und zugedeckt stehen lassen, bis der Vorteig die doppelte Höhe erreicht hat und Blasen wirft. In eine Schüssel Mehl, Zucker, Vanillezucker, Eier, Milch, Wein, Salz und Butter geben. Jetzt das Dampfl zufügen und gut durchkneten, am besten mit einem Knethaken oder Küchenmaschine. Wer möchte, kann noch Rosinen hinzufügen. Den Teig rund eine halbe Stunde bis Stunde an einem warmen Ort zugedeckt gehen lassen, bis er die doppelte Größe erreicht hat. Anschließend wird der Teig nochmals durchgeknetet, in drei Stücke geteilt und zu Kugeln geformt. Auf ein eingefettetes Backblech legen und noch einmal zugedeckt aufgehen lassen. Ein Kreuz in die Mitte, mit einem Messer oder einer Schere in die Teigkugeln einritzen. Mit Ei bestreichen und im vorgeheizten Backrohr 40 Min. bei 170°C Ober- und Unterhitze backen.

Ich wünsche allen gutes Gelingen beim Osterpinzen backen und ein schönes sowie genussvolles Osterfest!

Bleiben Sie gesund und passen Sie auf sich auf!

Ihre
Barbara Schmidl
Bäckerin und Konditorin

www.schmidl-wachau.at
www.schmidl-duernstein.at